Durch gedankenloses Desinteresse und gnadenloser Unwissenheit, werden um Lebensperspektiven und Entschädigungen gebrachte ex-Heimkinder bis zuletzt, die Bühnen des Lebens als Betrogene verlassen.

Ein Interview der Nürnberger Zeitung mit Herrn Kruttschnitt, der als promovierter Theologe und Jurist am Runden Tisch Heimerziehung die Interessen der Diakonie in der Aufarbeitung der skandalösen Heimzustände vertrat, hat in nüchterner Banalität das gesamte Dilemma dieses bislang noch immer völlig unzureichenden Aufarbeitungsprozesses aufgedeckt.

Dieses Dilemma verbirgt sich in dem einfachen Umstand naiver Ahnungslosigkeit, wie auch weitverbreitetem Desinteresse an Themen, die kaum oder gar keine persönlichen Berührungspunkte aufweisen.
Obwohl diese Umstände schon seit 2003/4 erkennbar wurden, als ehemalige Heimkinder vergeblich versuchten, gegenüber Kirchen, Staat und Öffentlichkeit auf ihr erlittenes Unrecht aufmerksam zu machen, haben mir erst die jüngsten Stafetten vorgeblicher Entschädigungsmeldungen für ehemalige Heimkinder die Augen für das Scheitern all der bisherigen Rehabili-tationsbemühungen verständlich gemacht. Siehe Beispiele: 1 - 2 - 3 - 4 - 5 - 6 - 7 - 8 - 9 - 10

Dank der werbeunterstützten Buchveröffentlichung des Spiegelredakteurs, Peter Wensirski, sowie darauffolgenden Petitionen, ist das Thema Heimkinder zwar in unserer Gesellschaft bis hin zum Bundestag angekommen, aber auch nur mit dem Anteil, wie derart skandalöse Verbrechen, die im Umfeld eklatanten Bruchs christlicher und gesetzlicher Grundsätze an schutzbefohlenen Kindern verübt wurden, Momente grausiger Betroffenheit auslösen.
Doch da persönliche Anteilnahmen am Leid anderer, ohne eigene Betroffenheit selten über den spektakulären Anteil hinausgeht, wird auch das schwindende Interesse solcher Menschen verständlich, die als nüchterne Sachwalter nachfolgende Entschädigungsfragen zu verhandeln haben.
Wobei auf der Hand liegen dürfte, dass mögliches Mitgefühl geradezu in offenen oder subtilen Widerstand umschlagen muss, wenn Täterorganisationen aus Kirchen und Staat selbst über Entschädigungsfragen gegenüber ihren einstigen Opfern zu befinden haben.
Hier erweist sich einmal mehr der Nachteil eines Staates, der sich auf seinen von Mächtigen und Reichen zugeschnittenen Rechtsstaat beruft, statt allen Bewohnern mit einer Schwerpunktausrichtung sozialer Gerechtigkeit zu dienen.

Mit der extrem täterlastigen Besetzung des Runden Tisches konnte demnach kaum ein neutraler Beobachter wirklich von einem aufrichtigen Aufarbeitungs- und Entschädigungsbemühen ausgehen, der von Betroffenenkreisen indes mit einem Vorschuss an Vertrauen und Hoffnung am Interesse einer aufrichtigen Aufarbeitung des Heimkinderskandals begleitet war.
Doch wie sich bald erwies, wurde dieses Vertrauen bis heute durch entschädigungsabweisende Winkelzüge und Desinteresse an einer aufrichtigen Aufarbeitung immer wieder enttäuscht.

So hätte das Ergebnis des Runden Tisches mit Sicherheit gleich eine andere Richtung genommen, wenn sich die Teilnehmer weniger aus täterlastigen Institutionen zusammengesetzt hätte, sondern in gleicher Anzahl praktizierende Soziologen, Menschenrechtler und Traumtherapeuten zu Wort gekommen wären, um den gewieft agierenden Taktierern-/innen am Runden Tisch, die Tragweiten der Folgeschäden einstiger Anstaltspraktiken begreiflich zu machen und ihnen damit eine ausbaufähige Basis sozio-empathische Fähigkeiten zu vermitteln.
Doch die Chance blieb ungenutzt, - entsprechend schonend haben sich Institutionsvertreter/Innen mit ihrer Stimmenmehrheit ein Entschädigngsmodell zusammengebastelt, dass mit seiner willkürlichen Gnadenaktverwaltung jeden Entschädigungsgedanken Hohn spricht.

Besonders klar wird das eigenschützende Handeln am Missbrauchsskandal bessergestellter Internatsbewohner deutlich, in dem im Gegensatz zu Heimkindern, keine staatlichen Stellen als passive Mittäter involviert waren.
Statt im Fall ehemaliger Heimkinder, die über mindestens 3-4 Jahre hinweg zunächst vergebens um Aufmerksamkeit suchten, wurde für die geschädigten Internatsschüler binnen 3-4 Monaten ein runder Tisch eingerichtet, der gleich von drei hochrangigen Bundesministerien besetzt wurde, die über einen Topf von über 30 Millionen Euro an Arbeitsmitteln verfügen durften.

Anders der Runde Tisch für ehemalige Heimkinder, deren Opfer zahlenmäßig, die Länge und Tiefe ihrer Leidenserfahrungen die der Internatsbetroffenen bei weitem übersteigen, wie gewohnt gemäß ihrem stigmabesetzten Stellenwert ohne Berücksichtigung behinderter Kinder, oder hospitalisierende Massenverwahrung von Kleinstkinder abgefertigt wurde.
So fehlten finanzielle Mittel für vertiefende Studien, um das Ausmaß der Folgeschäden durch vorenthaltener Bildung, Zwangsarbeit zu erforschen, in dessen Ergebnis bekannt geworden wäre, unter welchen Um- Zuständen einstige Heimkinder auch heute noch nur eine recht eingeschränkte und damit entschädigungswürdige Lebensweise möglich ist.
Ungenutzt blieb auch die Möglichkeit, das Außmaß dieser einzigartigen Tragödie in Hinblick auf die Anzahl bisherige Suizidopfer oder deren erfolglosen Versuchen zu erfassen, für deren Opfer ich die Errichtung eines bleibenden Mahnmals in Form eines milliardenschweren Gedächtsnisfonds bereits mehrfach zur Sprache gebracht habe, aus dem heraus sowohl die Entschädigungsbegehren der überlebenden Opfer, als auch zukunftsgerichtete Mittel entnommen werden könnten/-sollten, um nachfolgende Kindergenerationen kontinuierlich auf ihre zukünftigen Elternrollen vorzubereiten und damit zu helfen, die meist überforderungsbedingten Umstände zu vermeiden, die auch heute noch Jahr für Jahr abertausende Kinder in institutionelle Heimeinrichtungen führen.

Aber nein, für ehemalige Heimkinder stand für dessen Aufarbeitung vergleichsweise nur ein Katzentisch zur Verfügung, dessen Arbeitsbudget für die ursprünglich vorgesehene 30 Monate von Bundesfamilienministerin von der Leyen sogleich auf 24 Monate reduziert und das Arbeitsbudget von 1 Mio Euro, um mehr als die Hälfte auf nur mehr 400.000 Euro zusammengestrichen wurde. Ganz im Sinne von Kirchen und Staat, ließ sie die Landesregierungen unumwunden wissen, dass die Einrichtung eines Entschädigungsfonds nicht im Interesse der Bundesregierung stehe.

Erkennbar mangelt es der einstigen "Familien- und gegenwärtigen Ministerin für Arbeit und "Soziales", als Mutter 7 eigener Kinder, sowohl an Interesse, als auch an Mitgefühl, um all die verheerenden Auswirkungen jahrelanger Gewalt-erfahrungen, Erniedrigungen, Ausbeutung, bis hin zum Missbrauch sachlich und emotional zu erfassen, denen abhängige Heimkinder einst gnaden- und schutzlos ausgesetzt waren.
In ähnlich erbarmungsloser Naivität outet sich im oben erwähnten Interview auch Herr Dr. Kruttschnitt als kühl berechnender Jurist im Dienste der Diakonie, der am Runden Tisch Heimerziehung naheliegend die Aufgabe der Schadensbegrenzung für seinen Dienstherrn versah.

Verständlich wenn wir uns mal vor Augen führen, dass im einwohnermäßig 18-fach kleineren Irland, mit einem 20 mal geringerem Bruttoinlandsprodukt, für deren misshandelten und missbrauchten Heimkinder 2,1 Milliarden Euro für Entschädigungen vorgehalten werden, womit dort im Durchschnitt etwa 75.000 Euro je geschädigte Person an Entschädigungsleistungen fließen.

Auf Deutschland übertragen, würde diese Regelung zur Bildung eines rund 40-50 Milliarden Euro schweren Entschädigungsfonds führen und damit allein der deutschen Diakonie statt feigenblattdünnen 20 Millionen, einen nunmehr 10 Milliarden Euro schweren Entschädigungsanteil abverlangen und damit sicher auch einen nachhaltigen Denkzettel verpassen.
Denn bekanntlich setzen erwünschte Verhaltensänderungen oft erst unter der Prämisse ein, mit geeigneten (schmerzhaften) "Motivationsanreizen" (Erziehungsterminologie) zum beabsichtigten Handeln gezwungen zu werden, wie ich dies seit Jahren bereits in bezug auf eine kontinuierliche Unterweisung aller Schulkinder in gewaltpräventiver Hinsicht und Elternvorbereitung einfordere. Ok, andere Baustelle, aber wenigstens am Rande erwähnt.

Nachdem der bittere Kelch eines spürbaren finanziellen Aderlasses dank symbiotischer Zusammenarbeit zwischen Kirchen und Staat, an allen Täterorganisationen/Institutionen so schonungsvoll vorübergezogen ist, wundern mich nach einem derart erfolgreichem Vermeidungsengagement heute weder über Kruttschnitts einkommens- und prestigefördernde Berufung in den Bundesvorstand der Diakonie, noch seine provokant bagatellisierenden Aussagen.
Etwa, wenn er öffentlich Mutmaßungen darüber anstellt, dass deutlich unter 3000 Heimkinder aus Bayern hier und da mal unangemessen behandelt wurden und zum Beweis seiner These nachschiebt, dass sich nicht mal 10 Betroffene bei ihm zu Wort gemeldet hätten.
Dabei merkt dieser "Leidenssachwalter" der Diakonie nicht einmal, wie sehr er mit seiner gnadenlos naiven Ahnungslosigkeit alle Gewaltbetroffenen brüskiert, wenn er das Leid der Ehemaligen primär im harmlos organisierten Liebesentzug entdeckt zu haben glaubt.
FALSCH - Denn mit ein wenig mehr Interesse hätte er es anders wissen MÜSSEN.

In akademischen Kreisen, zumal innerhalb der Diakonie gibt es sicher genug gebildete Fachexperten/Innen die ihm, Interesse vorausgesetzt, fundiert Zusammenhänge zwischen Ursachen und Wirkungen hätten vermitteln können. Er hätte aber auch auf dieser/meiner Webseite, oder in einem der zahlreichen Foren von Gewaltopfern vorbeischauen können, um sich über deren gegenwärtigen Sorgen und Nöte zu informieren.
Doch nein, es fehlte stets an Zeit und vor allem Interesse.
Die "Experten" in Sachen Entschädigungsvermeidung am Runden Tisch hielten es nicht mal für nötig, die zahlreichen Eingaben an die zentrale Anlaufstelle der Heimbetroffene mit ihren Erfahrungen und Anregungen am Runden Tisch näher zu studieren. Auch meine persönlichen Erfahrungen, die ich als praxisbezogene Eingabe zum heiminternen Gewaltspektrum und dessen Folgen einreichte, blieb bis heute unbeantwortet.

Zu einem geradezu vernichtenden Ergebnis kommt indes auch Pädagogikexperte Professor Kappeler, der in seiner jüngsten Analyse zum Umfeld und Arbeitsweise des Runden Tisches gleichfalls klar aufzeigt, dass es an aufrichtigem Interesse zur Aufarbeitung dieser deutschlandweit einzigartigen Tragödie in Friedenszeiten fehlte, weil nahezu alle Beteiligten am Runden Tisch an ihrer eigenen Schadensvermeidung arbeiteten, statt den Opfern und ihren Erfordernissen angemessen beizustehen.

Mit dem gleichen Desinteresse wurde dessen skandalöse "Entschädigungsempfehlung" auch von unseren in dieser Angelegenheit mehrheitlich ahnungslosen Politikern/Innen im Bundestag unbesehen durchgewunken.
Geradezu tragisch ist hier das von Misstrauen geprägte Scheitern meines Versuchs zu erachten, mit einer nachhaltigen Protestaktion allen Bundestagsabgeordneten begreiflich zu machen, über was sie da im Bundestag in Sachen Heimkinderentschädigungen abstimmen würden.
Denn obwohl ich zuvor mit allen erreichbaren Verantwortlichen von Heimkindervereinen, Foren und einzelnen Webauftritten in langer Vorbereitung die gemeinsame Protestaktion abgesprochen und deren Zustimmung gewonnen hatte, waren es wiederum die Betroffenen selbst, die dem Projekt dermaßen gleichgültig und misstrauisch gegenüberstanden, um letztlich einsehen zu müssen, dass von wenigen Ausnahmen abgesehen, mit geschädigten Heimkindern einfach keine konstruktive Zusammenarbeit möglich ist.

So steht nun ein auf zwei Jahre befristeter Pseudoentschädigungsfonds, der kaum mehr als eine öffentliche Alibifunktion geheuchelter Einsicht und Reue erfüllt, um in ein paar Jahren den Großteil der nicht abgerufenen Fondsanteile wieder zurück an die einzahlenden Kirchen und Länder zurück zureichen.

Um es auf den Punkt zu bringen: aus diesem Fonds wird kein einziger Heimbewohner, egal wie schwer er/sie misshandelt, gedemütigt, oder fürs Leben gezeichnet wurde, jemals nur einen realen Cent erhalten, der nur im Entferntesten etwas mit Entschädigung gemeinsam hätte.
Ein Schelm wer böses dabei denkt, dass nach demütigenden Einzelfallnachweisen limitierte Sachleistungen, wie Therapien, Stützstrümpfe, Brillen, Gehhilfen, oder teils auch Pflegezuschüsse für selbstständiges Wohnen beantragt werden dürfen, deren Leistungen ohnehin meist von gewöhnlichen Krankenkassen getragen werden.
Das Ganze ist auch noch mit juristischen Fallstricken versehen, etwa einer obligatorischen Verzichtserklärung auf alle möglichen künftigen Entschädigungsleistungen, wie sie zum Beispiel durch weitere Rechtsurteile etwa durch beabsichtigte Klagen am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte erzielt werden könnten.
Nein, dieser "Scheinfonds" ist und bleibt ein einzigartiger Betrug an Ehemaligen und grobe Täuschung der Öffentlichkeit.
Um sich ein umfassendes Bild zum Betrug des Scheinfonds zu machen, kann ich jedem Leser/in nur dringend empfehlen, die letzte Analyse von Herrn Prof. Kappeler zu diesem Skandal durchzulesen.

So werden öffentliche Medien und Parteien auch weiterhin in gleichgültiger Einfalt nicht müde werden, dieses Produkt seelenloser Sachwalter und Betrüger eigener Moralansprüche, als Entschädigungsfond bezeichnen, der er in keinster Weise ist und niemals sein wird.
Sie alle versuchen ihr fehlendes Gewissen hinter Paragraphen unserer Rechtsstaatlichkeit zu verstecken, indem sie sich wegen der verfallenen Verjährungsfristen handlungsunfähig erklären, wohingegen ihnen niemand verbietet gemäß eigenen Überzeugungen und ethischen Notwendigkeiten zu handeln. Denn es gilt noch immer: Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg.

Warum unser ach so ehrenhafte theologie- und ethikstudierte Tugendwächter Dr. Kruttschnitt, trotz besseren Wissens von monetären Entschädigungen schwadroniert, darüber mag sich jeder seine eigenen Gedanken machen.
Ähnlich wie ich mir so meine Gedanken über die Stille ausbleibender Reaktionen zu dem ganzen Heimskandal all Jener mache, die in unserem Land bereits von Beruf wegen als Instanz zur Wahrung und Verteidigung ethisch und moralischer Werte gelten und häufig genug mit geschädigten Kindern zu tun haben, um zu wissen was es heißt benachteiligt, und vom Gemeinschaftswesen verstoßen zu sein.
Damit zähle ich Sozial-, und Opferverbände, einstige, gegenwärtige und künftigen Pädagogen, Lehrer, Geistliche und politisch engagierte Menschen. Wo blieb deren Unterstützung am Bemühen, die über Jahrezehnte hinweg verübten Verbrechen an schutzbefohlenen Kindern/Jugendlichen mit aufrichtigem Interesse an Gerechtigkeit und Mitgefühl zu hinterfragen, geschichtlich aufzubereiten und sich für diese enorm geschädigten Menschen für eine angemessene Entschädigung stark zu machen?
Doch so wie sich schon damals kaum jemand für das Wohl von Heimkindern interessierte, schaut diese Gesellschaft angesichts des neuerlichen Unrechts, wie die ehemaligen Heimkinder von Kirchen und Staat um ihre moralisch zustehenden Entschädigungen betrogen werden, heute genauso wie einst desinteressiert zur Seite.

So werden voraussichtlich alle geschädigten Heimkinder, die durch Kirchen und Staat um elementare Lebensperspektiven, gesellschaftliche Anerkennung, Liebe, Vertrauen und berufliche Erfolge gebracht wurden, die Bühne des Lebens mit der Erfahrung abtreten, bis zuletzt aufgrund weitverbreitetem Desinteresse innerhalb der Gesellschaft und einer unbarm-herzigen Verwaltungsmaschinerie anhaltend betrogen worden zu sein.

Angesichts derart zynischer Sozialkälte möchte ich allen Betroffenen die Stärke wünschen, erst gar nicht in die Versuchung zu kommen, sich dermaßen zu erniedrigen, um aus diesem Schandfonds beschämende Sachleistungen zu beantragen.

Klaus Klüber
31. Dezember 2011

Hier finden Betroffene die eine Inanspruchnahme des Hilfefonds-Heimerziehung in Erwägung ziehen, auf einen von mir versandten Fragenkatalog an verschiedene Anlaufstellen wichtige Antworten, (sofern bereits vorliegend) die ihnen die Entscheidung einer Inanspruchnahme, oder Ablehnung erleichtern könnten.