Ein Wort zur unmoralischen Gier kirchlicher Institutionen und
abweisenden Verantwortung derer Führungskräfte.

Nachdem in den letzten Jahren, wie auch in einem jüngst vorab veröffentlichten Zwischenbericht zur Erforschung der vielfach unbarmherzigen Praktiken in der Heimerziehung bekannt wurden, beeilen sich aufgeschreckte Institutionen, insbesondere derer christlicher Prägung entgegen besseren Wissen die Geschehnisse mehrheitlich als bedauerliche Einzelfälle abzuwiegeln. Siehe Link1, Link2,
Seltsam nur, warum bis heute noch nichts davon bekannt wurde, welchen dieser bedauerten Einzelfälle gegenüber sich die Kirchenverantwortlichen bislang entschuldigt, oder gar eine Entschädigung für einst so unchristlichen Behandlungen geleistet hätten?

Statt dessen wurden Studien in Auftrag gegeben, die paradox anmutend das eigene christliche Gewissen der beklagten Zeitspanne seit Ende des Krieges bis in die 80er Jahre erforschen soll. Geradeso, als wüssten Kirchenverantwortliche nichts mehr davon, wie einträglich die Geschäfte mit der massenhaften Verwaltung der zugeführten Kinder und Jugendlichen einst waren. Von den darüber hinausgehenden Einkommen die sie durch Zwangsarbeiten und "Vermietungen" der Jugendlichen erzielten ganz zu Schweigen.

Von konzeptioneller Erziehung, oder individueller Förderung konnte bis in die 70er Jahre hinein noch gar keine flächendeckende Rede gewesen sein, weil es schlichtweg kaum ernstzunehmende Konzepte gab. Erst ab den 70er Jahren begann sich durch massiven Druck von außen persönlichkeitsfördernde Erziehungsinhalte durchzusetzen.
Bis dahin blieb die positive Hinwendung gegenüber den untergebrachten Heimkindern dem persönlichen Engagement einzelner Erziehungs- bzw. Aufsichtskräften überlassen.
Genauso, wie auch heute wieder die Bereitschaft zur Aufarbeitung dieses weiteren Kapitels dunkler Kirchengeschichte von einzelnen motivierten Persönlichkeiten, wie z.B. die der Niedersächsischen Landesbischöfin Dr. Käßmann getragen wird, deren Forschungen bereits im ersten Zwischenergebnis, oder in Berichten vor dem Petitionsausschuss des deutschen Bundestages bei den Zuhörern/innen tiefe Betroffenheit auslösten.
Dabei wären aufwändige Studien nicht mal zwingend nötig um zu erkennen, welch einen düsteren Charakter die meisten Heimeinrichtungen einst aufwiesen. Immerhin war im ganzen Land der gewalttätige Umgang von Heimkindern nur zu gut bekannt. Schließlich gehörte die Warnung: "Wenn Du nicht folgst, kommst Du in´s Heim" zum gewöhnlichen Drohpotenzial von Eltern gegenüber eigenen Kindern.
Demnach war hinlänglich bekannt, dass Gewalt in Heimen zum normalen Alltag gehörte, ja geradezu unvermeidlich war. Andernfalls an ein ordnungsgemäßes Zusammenleben der zu 15-35 Kindern zusammengepferchten Gruppen gar nicht denkbar gewesen wäre.
Dieser Aspekt dürfte allen Menschen einleuchten, die bereits mit ihren eigenen 2-3 Kindern hinreichend ausgelastet sind. Da kann sich jeder leicht ausrechnen welche Belastung auf die oft unausgebildeten "Erziehungskräfte" lastete, die es meist auch noch mit milieugeschädigten Kindern zu tun hatten.
Demnach gehörte die Kanalisierung des gruppeninternen Aggressionspotenzials auf ausgewiesene schwarze Schafe der Gruppe, die sich am wenigsten zu erwehren wussten, wie etwa Bettnässer, deren Selbstbewusstsein ohnehin schwer geschädigt war, zur gängigen Bewältigungspraxis des Erziehungspersonals.
Insofern kann der Umgang von Heimkindern bis in die 70er und zum Teil auch darüber hinaus durchaus mit systematische Gewalt bezeichnet werden, die in teils drakonischen Strafritualen und sexuellen Missbrauch noch traurige Steigerungen erfuhren.

Da mutet es recht zynisch an, wenn heute von verantwortlichen Kirchenvertretern, gerade mal die exzessivsten Spitzen von Gewalt als Einzelfälle bedauert werden. Geradeso als hätten diese hochstudierten Gelehrten noch nie etwas von der immensen Beschädigung an Selbstverständnis und Grundvertrauen in Verbindung von Kindern gehört, die über Jahre hinweg Gewalt ausgeliefert waren, oder solchen Exzessen passiv beiwohnen mussten.

Diese weltabgewandte Abgehobenheit, lässt sich vermutlich nur mit dem Verlust lebensnaher Erfahrungen im familiären Zusammenleben erklären, die sich besonders in katholischen Kreisen aufgrund der überaus problematisch zölibatären Verpflichtung geradezu zwangsläufig ergeben muss.


Ein größeres Verständnis für das kirchliche Abwiegeln immanenter und fortgesetzter Grundrechtsverletzungen gegenüber den ihnen anvertrauten Kindern, ist meiner Ansicht nach in dem Bemühen begründet, die moralische Verwerflichkeit ihres eigenen Handelns gegenüber der Öffentlichkeit zu verschleiern.
Denn bis heute wurde in der Öffentlichkeit nicht mal ansatzweise das einträgliche Geschäft mit der Massenverwaltung von Kindern in kirchlichen Einrichtungen thematisiert, das den Kirchenoberen höchst fragwürdige Gewinne in die Kassen gespült haben dürfte.

Gerade mit diesem Hintergrund, sind die jüngsten Rechtfertigungsbemühungen, von wegen, überforderten Erziehungskräften an Heuchelei kaum mehr zu überbieten.
Schließlich profitierten stets die kirchlichen Heimbetreiber, wenn sie die anstrengende Verwaltung von schwierigen Kindern und Jugendlichen rücksichtslos auf dem Rücken christlich devoter und von aufrichtiger Nächstenliebe geprägter Menschen betrieb.

Insofern müssten wenigstens teilweise selbst die Erziehungskräfte als Opfer anerkannt werden, deren Idealismus und christlich geprägter Geist der Nächstenliebe von Heimträgern oder Kirchenverantwortlichen schamlos für ihre wirtschaftlichen Interessen ausgebeutet wurden, indem ihnen häufig allein oder zu zweit bei mangelhafter Ausbildung die Betreuung von Kinder/Jugendgruppen in Stärken von 15-35 Kindern aufgebürdet wurde.

Auch hier taten sich die katholischen Einrichtungen als besonders berechnend hervor, indem sie die immense Verantwortung und Betreuung großer Kindergruppen zum Teil nur einer einzigen Nonne aufbürdeten, die fortan 24 Stunden am Tag mit den Kindern zubrachten und gerade mal einen winzigen Verschlag in dem ihr Bett stand als persönliches Rückzuggebiet beanspruchen konnten. Weitgehend für Gottes Lohn versteht sich, während sich die Kirche an den Kassen des Staates für ihre "Dienstleistungen" geradezu unverschämt bedienten.

Der christliche Geschäftssinn entartete in ungezügelter Gier, wenn sie sogar noch die Arbeitskraft der ihnen anvertrauten Jugendlichen rücksichtslos ausbeuteten. Ja sich nicht mal zu schade waren, die Jugendlichen wie Sklaven an zahlungskräftige Kunden, wie Fabrikbesitzer, Handwerker und Bauern zu vermieten. Und wo die kindlichen Kräfte noch nicht ausreichend ausgebildet waren, wurden sie mitleidheischend der Öffentlichkeit präsentiert, um an das Gewissen der Mitmenschen appellierend fleißig Spendengelder einzusammeln und sich gleichfalls als gesellschaftliche Wohltäter feiern zu lassen, deren fragwürdige Gebahren auch noch regelmäßig das Siegel der Gemeinnützigkeit verliehen wurde/wird.
Im Prinzip hat sich bis heute nicht viel an dieser Praxis verändert, oder wer wüsste nicht, dass kirchlichen Arbeitgeber ihre Arbeitnehmer/innen noch immer zu vergleichsweise schlechten Bedingungen beschäftigen? siehe auch Link!!

Meiner Ansicht nach wird die Öffentlichkeit in der Abwehr von Verantwortung und fragwürdiger Doppelmoral geradezu zum Narren gehalten. Wie sich dies an stets gleichenden Verhaltensmustern ablesen läßt.
Nämlich immer nur häppchenweise eigenes Versagen zuzugeben, wenn sich nichts mehr vertuschen lässt, weil Betroffene und Medien zuvor ihre unmoralischen Handlungen über himmelschreiende Zustände in ihren Heimeinrichtungen, oder die Folgen ihrer seelenlosen Verwaltung zuvor publik machten.
Deren Mauern wird verständlicher, wenn man weiß, dass die "umsorgten Kinder" dessen Dienste sich die Kirchen gut bezahlen ließen, im juristischen Sinne sogar einen rechtsverbindlichen Anspruch auf Schutz und Fürsorge besaßen.
Dieser Anspruch wurde ihnen jedoch in vielfacher Weise aus unchristlicher Gier nach Macht und Reichtum in niederträchtiger Weise vorenthalten.

In dieses Bild passt sich nahtlos, das gegenwärtige Bemühen ein, den Schaden gegenüber den einstigen Heimkindern zeitlich, wie auch inhaltlich auf immer engere Zeiträume und überschaubarer Einzelfälle zu reduzieren.
Wie in etwa nur noch der Zeit zwischen 1950-60, oder rentensteigernde Entschädigungen, die für jene angedacht sind, deren jugendliche Arbeitskraft ohne entsprechende Versicherungsleistungen ausgebeutet wurden.

Jeder zivile Arbeitgeber der seinen Arbeitern zustehenden Sozialleistungen vorenthält, um sich ähnlich wie so manch kirchlich getragenes Heim an den Abhängigen zu bereichern, würde bei uns umgehend vor dem Kadi und aller Voraussicht nach für längere Zeit im Knast landen.
Nicht so die kirchliche Institutionen und deren Verantwortungstragenden.
Sie durften sich nicht nur ungestraft am Massenbetrieb von bedürftigen Kindern und Jugendlichen bereichern, - ihnen die zustehende Fürsorge und Förderung vorenthalten, sondern dürfen auch heute noch als anerkannte Ehrenmänner und Frauen den einst Gelittenen verbal ins Gesicht schlagen, indem sie die erhobenen Vorwürfe immer noch als Lügen und bedauerliche Einzelfälle abzuwiegeln versuchen. Ja teilweise sogar mit gerichtlicher Hilfe versuchten diese klagenden Stimmen zum Schweigen zu bringen. Gottlob ohne Erfolg. Siehe Link

Es entspricht ihrem machtversessenen Selbstverständnis, dass sie sich als kirchliche Institutionen niemanden gegenüber zur Rechenschaft verpflichtet fühlen und sich wie zu allen Zeiten ihrer Geschichte schweigend jeder Verantwortung entziehen, aber gleichzeitig den öffentlichen Anspruch erheben als moralische Instanz anerkannt zu werden und mit einem Minimum an eigenen Leistungen, ein Maximum an Mitsprache innerhalb unserer Gesellschaft zu beanspruchen. Siehe Link

Für mich stellt sich hier die Frage welche Existenzberechtigung diese Institution Kirche noch hat, wenn es ihr gerade an jenen Tugenden mangelt, die eine homogene und menschlich mitfühlende Gesellschaft auszeichnet?