1. Teil
Warum Kinder in Heimen leben
Geschichtliche und politische Gesichtspunkte

1.
Begegnungen mit Heimkindern haben für viele Menschen etwas beklemmendes an sich.
Nicht selten stellt sich bei uns spontan ein Gefühl von Mitleid ein. Weil wir uns in einem solchen Augenblick vorstellen können, wie schmerzlich es sein muss, fern der Familie ständig von fremden Menschen in einem streng geregelten Tagesablauf kontrolliert zu werden und mit anderen fremden Kindern den Verlust der persönlichen Entscheidungsfreiheit teilen zu müssen.
Eine grauenhafte Vorstellung.

Kinder- oder Erziehungsheime, früher auch brutal anmutend Erziehungsanstalten genannt, stellen wir uns für extrem widerspenstige Kinder vor, mit denen die Eltern nicht mehr fertig werden.
Sind diese Kinder bereits als Taugenichtse oder krimineller Machenschaften aufgefallen? Trifft sie damit selbst Schuld, warum sie nun im Heim leben müssen?
Aber so genau wollen wir es dann auch wieder nicht wissen. Immerhin ahnen wir schon, dass da einiges nicht in Ordnung ist, was wir nicht nachvollziehen können. Genauso wenig, wie wir uns vorstellen wollen, wie es wohl in einem Heim zugehen mag.
Heimumgebungen bleiben für uns demnach rätselhaft fremd und wir sind froh, wenn sich der Kontakt zu einem Heimkind auf sichere Distanz beschränkt.

Ich denke so ähnlich wie hier fiktiv vorgestellt, wird es tatsächlich vielen Menschen gehen, die hier und da mal mit Heimkindern in Berührung kommen.
Gott sei Dank haben die restriktiven Drillmethoden vergangener Jahrzehnte einem wesentlich liberaleren Erziehungsstil Platz gemacht, der eher auf Persönlichkeitsförderungen fixiert ist.
Heute werden zwar immer weniger Kinder bei immer kürzerer Verweildauer in Heimeneinrichtungen betreut, gefördert und gefordert. Doch spiegeln sich in diesen Tendenzen weniger Kindswohl getragene Erfordernisse ab, als vielmehr der haushaltspolitische Druck von Bund, Länder und Gemeinden, um die zunehmend leeren Kassen zu entlasten, wie es z.B. 2007 aus Halle bekannt wurde. Deren Oberbürger-meisterin Frau Szabados allen ernstes erwog, ihre rund 300 heimbetreuten Kinder und Jugendliche aus finanziellen Erwägungen zurück nach Hause zu schicken. Siehe diesen Bericht.

Was hingegen geblieben ist, sind leider die Gründe, die noch immer Jahr für Jahr viele Kinder in Heimeinrichtungen führen.
Die Begründungen für diese Maßnahmen veränderten sich mit der Zeit. So wird heute kaum mehr ein Kind, bzw. jugendlicher Mensch wegen ideologischer Ansichten in ein Heim eingewiesen werden, wie es in der Nachkriegszeit vorkam. Nur weil ein Mädchen einen kurzen Rock, Teenager ausgefallene Kleidung trugen, oder aktuelle Schlager sangen, kommen heute sicher keine keine Kinder mehr ins Heim.
Wie sie manch gestrenge Sittenwächter der damaligen Zeit noch veranlassten, um junge Menschen zu denunzieren und mit dem Etikett unsittlichen Lebenswandels für längere Zeit hinter dicken Mauern verschwinden zu lassen.
Ähnliche Merkmale weisen auch manche einst ostdeutschen ex-Heimkinder auf, die aus der Mitte intakter Familien gerissen wurden, weil deren Eltern in ihrem streng kommunistisch geführten Land eine andere Vorstellung von Gleichheit und Freiheit suchten, oder gar Fluchtgedanken hegten.
Teenagern die eine allzu westfreundliche Auffassung vertraten, konnten ebenso auf Jahre in staatlichen Heimeinrichtungen verschwinden, wo ihnen besonders häufig die ganze Bandbreite indoktrinierenden Drills zuteil wurde.

Waisenkinder, wie in den Nachkriegsjahren der Fall, füllen heute ebenso keine Heime mehr.
Hingegen mag es früher wie heute noch vorkommen, dass sich Eltern behinderter oder minder begabter Kinder ihrer Verantwortung entziehen und ihre als entbehrlichen Ballast empfundenen Kinder nur zu bereitwillig in staatliche Fürsorge "entsorgen."
Doch Gottlob gehören derartige Fälle noch immer zu den selteneren Ausnahmem.

Ein geschichtlicher Rückblick.

Eine erste Zeitreise
Um die Ursachen von häuslicher Gewalt und fremdbestimmter Heimunterbringung derart betroffener Kinder zu erklären, bedarf es einer kleinen Zeitreise. Es ist ja nicht so, dass auffällige oder aggressive Kinder lediglich eine gegenwärtige Form zivilisierter Verwahrlosung darstellen.

Die Wurzeln für so manches gesellschaftliche Übel, die uns noch heute das Leben schwer machen, liegen meist weit zurück und finden sich bereits in der negativ besetzten Begrifflichkeit von Heimkindern, Erziehungsheimen, einst auch als Besserungsanstalten benannt wieder.

Ehemaliges Erziehungsheim bei Neu -Düsselthal

© Graf-Recke-Stiftung

 

 

 








Diese negative Assoziation hängt mit den wenig rühmlichen Ursprüngen dieser Einrichtungen zusammen. Denn im Gegensatz zu den Hochglanzbroschüren, in denen ältere Erziehungseinrichtungen darum bemüht sind ihre historischen Leistungen im verklärendem Licht eines barmherzigen Gottvater herauszustellen, waren die Ursprünge der meisten Heimeinrichtungen weniger vom selbstlosen Dienst am Nächsten geprägt, als vielmehr einem moralischen Feigenblatt gleich im Bestreben begründet, den Besitzstand der saturierten Gesellschaft vor den europaweit zunehmenden vagabundierenden Kindern und Jugendlichen zu schützen. Deren Eltern, wie auch sie selbst während der industriellen Revolution, mit der Erfindung und Einführung von Dampfmaschinen, Lokomotiven, Telegrafie und besonders mechnischen Webstühlen in Massen ihre ohnehin niedrig entlohnten Handarbeitsplätze verloren.
Um welches Größenordnung es sich hier handelt, wird bereits deutlich, wenn in England im Jahr 1760 nicht mehr als 1300 Tonnen Textilien verarbeitet wurde. 1860 waren es hingegen bereits 190000 Tonnen.
Zu dieser Zeit gab es noch längst keine Sozialsysteme, weshalb die Arbeiter/innen duch den Verlust ihrer ohnehin niedrig entlohnten Arbeitskräfte
in unbeschreibliche Not und schiere Verzweiflung gerieten. Aufgrund der daraus resultierenden Armut starben besonders viele einfache Arbeiter an Krankheiten und Entkräftung. Zurück blieb ein Heer von Waisen und ausgesetzten Kindern, die kaum eine andere Chance hatten als ihr karges Überleben durch Betteln oder Stehlen zu bestreiten.

Aus dieser Zeit heraus erklären sich auch heute noch gängige Vorurteile gegenüber Heimkindern.
Diese werden heute zwar nicht mehr als stehlendes Lumpenpack bezeichnet, dennoch wird ihnen immer noch mit argwöhnischer Skepsis begegnet.
Der französische Schriftsteller Victor Hugo, verfasste zu jener Zeit seinen epochalen Protestroman "Les Miserables" zu Deutsch: "Die Elenden", um darin ein konturiertes Licht der damaligen Lebensumstände zu zeichnen.
Von diesen Elenden, sah sich das besser gestellte Bürgertum zunehmend bedroht. Doch im Gegensatz zu brasilianischen Verhältnissen, in denen die betuchte Oberschicht in den vergangene Jahren bereits mehrmals dazu übergegangen ist, sich bettelnder und obdachloser Kinder durch massenhafte Erschießungen zu entledigen, las man hierzulande, von mehr christlicher Ehrfurcht getrieben, diese asozialen Kinder, wie herumstreunende Hunde von der Straße auf, um sie in unwirtlichen Heimeinrichtungen zu kasernieren. Diese wiesen damals eher den Charakter von Zuchthäusern auf, und entsprachen nicht annähernd dem irreführenden Begriff von trautem Heim.

Hinter oftmals schon äußerlich erfurchtsgebietenden Mauern, wurde ihnen
in
preußischer Manier mit restriktiven Drill, Zucht und Gehorsam eingebläut.

(Daher auch der Begriff "einbläuen" = durch massive Gewalteinwirkung
herbeigeführte Gefäßverletzungen, die durch blau anlaufende Blutergüsse,
(Hämatome) sichtbar werden.)

Gewalt war gesellschaftlich ein ohnehin anerkanntes und weit verbreitetes Erziehungs-
mittel. Wenngleich die gewöhnlichen Lebensumstände von Arbeiterkinden der damaligen
Zeit bereits sehr hart waren, (Schulbildung war in diesen Kreisen noch nicht üblich, so
dass Kinder schon sehr früh mitarbeiten mussten.) kann dass, was diesen Kindern in damaligen "Heimeinrichtungen" angetan wurde, heute nur als schlimmste Form von Kindesmisshandlungen und Persönlichkeitszerstörung verstanden werden.

Kirchen und religiöse Vereinigungen in der Schuld
Über dessen finstere Historien, die noch bis in die 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts reichten und den daraus entstandenen Folgen für derart betroffene Menschen, die überwiegend konfessionellen Trägerschaften, sich auch heute noch, nur allzu gern in Schweigen hüllen.

Kirchliche Trägerschaften haben sich darin, wie schon so oft in ihrer unheilvollen Geschichte, eine grauenvolle Hypothek angehäuft, zu der sie wie ihre nachgeordneten Organisationen genausowenig bereit sind zu ihrer Verantwortung zu stehen. Beispiele: Zwangsmissionierungen / Inqusition, Kreuzzüge, etc.
Im Gegenteil: Durch ihr Verschweigen, oder halbherziges Lavrieren gegenüber ihren neuzeitlichen Verfehlungen, lädt sie den Opfern ihrer einstigen "Erziehungseinrichtungen" weitere Bürden auf, wenn diese eines Tages erst mal das ganze Ausmaß ihres erlittenen Unrecht zu erfassen beginnen und sich nichts sehnlicheres als eine Entschuldigung wünschen, mit denen ihnen der Makel des unwerten Menschen genommen wird, der selbst Schuld daran trägt, was ihnen einst widerfuhr.
Durch das beharrliche Schweigen der verantwortlichen Trägerschaften, wird vielen ehemaligen ex-Heimkindern jedoch noch zusätzlich das Brandmal der Unglaubwürdigkeit auferlegt.

Fakt ist aber nun mal, dass eine große Anzahl völlig unzureichend vorgebildeter Nonnen, Padres, Diakone und wie sie sich noch in karitativen Einrichtungen nennen mögen, häufig ihren eigenen durch kirchliche Doktrinen verursachten Lebensfrust in zuweilen sadistischer Manier an den ihnen anvertrauten Kindern und Jugendlichen ausließen. Mehr dazu im Bereich Erfahrungen.

Nur ein kleines Beispiel möchte ich bereits hier anführen, weil es symptomatisch für den Versuch steht, den einst anvertrauten Kindern selbst die Schuld und somit die Ursachen ihrer unwürdigen Behandlungen zuzuschreiben.
Sie bestand z.B. darin, ihnen wiederholt deutlich zu machen welch unwerte Nichtsnutze sie seien, denen man in schillerndsten Farben eine kriminelle Zukunft voraussagte.
Diese Praxis ist mir persönlich selbst noch bis Mitte der 70er Jahre bekannt.

Kein Wunder also, wenn sich dieses Verständnis auch in die übrige Gesellschaft übertrug und es in vielen Familien gängige Praxis war, dass Eltern ihren Sprösslingen nur Heimeinweisung anzudrohen brauchten, um sie gefügig zu machen

Armut und finanzielle Abhängigkeiten verursachen demnach jenes Leid, denen unzählige Familien und besonders deren Kinder zum Opfer fallen. siehe jüngste Meldungen 2012, Fall 1 - Fall 2, so weit weg?
Für das in erster Linie jene Institutionen und Wirtschaftunternehmen verantwortlich sind, die um ihrer unersättlichen Gier und Macht willen, den Staat bzw. deren Bürger rücksichtslos ausbeuten und damit ein eindeutiges Bekenntnis dafür ablegen, wie wenig ihnen an der Solidargemeinschaft dieses Staates gelegen ist.
Von dessen Bürgern sie jene bildungspolitischen und logistischen Rahmenbedingungen fordern und nutzen, um sich im globalen Wettstreit marktstrategisch günstig zu positionieren und unmoralisch hohe Gewinne einstreichen, während sie dem Staat und somit allen Bürgern, ihren angemessenen Anteil an Sozialleistungen hartnäckig vorenthalten. Oder hat schon mal jemand gehört, dass ein gut aufgestelltes Unternehmen, wie Mercedes Benz auf seine Erträge Steuern zahlt, wie sie jedem seiner Arbeitnehmern automatisch bis zum letzten Cent vom Lohnzettel abgezogen werden?

Dies ist eigentlich der sozialpolitische Skandal. Dem zusätzlich die Krone aufgesetzt wird, da trotz eindeutiger Erkennt-nisse nichts unternommen wird, um Familien und deren Kinder konsequent vor diesen asozialen Blutsaugern zu bewahren und bis auf schale Lippenbekenntnisse kaum etwas unternommen wird, um allen Menschen in diesem Staat, realistische Chancen einzuräumen, ihr einmaliges Leben in freiheitlichem Geist, glücklich und mit selbstgenügsamer Lebensfreude zu entfalten..

Und jedes individuelle Leben fängt nun mal mit der Kindheit an.

Von der Vergangenheit bis in die Gegenwart fehlt es an Ehrlichkeit und Gerechtigkeit

Während wir heute relativ leicht nachvollziehen können, warum für ein Waisenkind moderner Prägung wenigstens Zeitweise ein Heimaufenthalt notwendig ist, bevor versucht wird solche Kinder in private Ersatzfamilien zu vermitteln, stellt sich die Antwort auf die Ursachen in Bezug auf Waisenkinder alter Prägung noch gänzlich anders dar. Beiden gleich ist "lediglich" die tragische Gemeinsamkeit, ihre Eltern verloren zu haben. Doch während Waisenkinder neuerer Zeit, ihre Eltern nahezu ausschließlich durch unglückliche Zufälle verlieren, verloren Kinder in der Blütezeit der anbrechenden Industrialisierung ihre Eltern überwiegend durch lang vorausgehendes Siechtum in erbärmlichster Armut und Krankheit, bis der Tod sie gnädig von ihrem elendigen Dasein erlöste.
Unwürdig im Sinne eines menschenverachtenden aristokratischen Standes, sowie des machtrunkenen Klerus und einer zunehmend Einfluss gewinnenden elitären Bürgerschaft, die um des eigenen Machterhalts und Profitstrebens schon seit je her, Rechtmaßstäbe aufstellten, die ihnen zum persönlichen Machterhalt dienten und ihnen selbstherrlich das Recht einräumte sich selbst als Herren über Leben und Tod anderer Menschen zu erheben.
Entsprechend abschätzig wurde das gewöhnliche Volk wie persönliches Eigentum behandelt.

Rechtlos.

Gerade gut genug, um der "hohen Obrigkeit" mit abgepressten Abgaben einen vergleichsweise luxuriösen Lebensstil zu ermöglichen.
Die ach so christlich ausgerichteten Kirchefürsten standen dem in nichts nach. Hand in Hand mit der weltlichen Obrigkeit, verstanden sie, mit dem Druckmittel ihrer verquerten Heilsdoktrinen in einfachen Bürgern jene Ängste zu schüren, um sie als unmündige Marionetten für ihre Interessen einzusetzen.
Dabei verkörpern sie selbst die Herren, die bis auf den heutigen Tag Wasser predigen, ansonsten aber gemeinsam mit der weltlichen Obrigkeit die ersten Reihen der Öffentlichkeit teilen, um sich an erlesenen Gaben zu laben.

Was spielte es schon eine Rolle, mit moralisch höchst bedenklichen Staatsführern an einem Tisch zu sitzen? Galt und gilt es noch heute, die eigenen Pfründe, Macht und Einfluss zu verteidigen.
Siehe das noch heute gültige Reichskonkordat, mit dem sich die Kirche dem dritten Reich andiente und gleichzeitig Millionen Menschen verriert.

Menschen interessierte die Kirchenoberen ohnehin nie besonders. Das war weder zur Zeit der Jahrhundertwende so, als das "asoziale Pack" hilfesuchend auf ihren Kirchenstufen krepierte, noch in Zeiten des dritten Reiches als die Kirchenväter den zum Himmel schreienden Holocaust an Juden und anderen minder bewerteten Bevölkerungsgruppen ignorierten. Genauso wie sie zu dem Euthanasieprogramm schwiegen, mit dem behinderte, schwach begabte und asoziale Kinder (= armer Herkunft) zu Tausenden umgebracht wurden.
Die wenigen Geistlichen, die den Mut besaßen, um sich dem menschenverachtenden System zu widersetzen und dafür den eigenen Tod in Kauf nahmen, würden sich im Grabe umdrehen, wenn sie wüssten, wie sehr sich heute die kirchliche Obrigkeit darum bemüht, ihre ausladende Schuld mit solch aufrechten Namen zu ummänteln.
Für eine Institution, die den Anspruch erhebt DIE moralisch letzte Instanz im Staate zu bilden, und im barmherzigen Sinne Christi tätig zu sein, muss so ein Verhalten für jeden um Aufrichtigkeit bemühten Menschen, wie eine niederschmetternde Offenbarung wirken. Sie erlauben eine Ahnung jener dunklen Abgründe, in denen sich die Hüter der christlichen Schafherden bewegen.

Sie entlarven sich selbst.
Nein, gewiss nicht als Diener des Herrn oder Menschen, die bereitwillig zu ihnen emporblicken und von ihnen Orientierung erwarten. Nein, sie haben sich, um ihre Macht, ihrer zweifelhaften Ehre und ihrs Ansehens willen, dem schnöden Mammon versklavt.
Sie, wie alle anderen aristokratischen und kapitalistischen Ausbeuter auch, die sich in ihrer unersättlichen Gier nach immer größerem REICHTUM und MACHT verzehren!
Machenschaften wie sie inzwischen ZU RECHT auf immer zahlreicheren Internetseiten beklagt werden. Denn verständlicherweise schweigen sich kirchliche Führungskräfte zu den dargelegten Fakten wohlweislich aus. siehe auch aktuell > > > Kirchenheuchelei < < <

Heim als Stigma
Die gewalttätige Behandlung von Heimkindern war nur allzu gut bekannt. Aber auch die Vorurteile, dass es sich bei diesen Kindern um kriminelle und asoziale handele, um die man tunlichst einen weiten Bogen machte, beherrschten das öffentliche Bewusstsein.
Wer wollte sich schon mit ihnen abgeben, oder auf einer gemeinsamen Stufe gestellt sehen?

Dieses Stigma verursacht bis in die heutige Zeit hinein, dass sich viele ehemalige Heimbewohner/innen noch immer schwer diskriminiert fühlen und kaum zu ihrer Heimvergangenheit stehen mögen.
Selbst Ehepartnern und Freunden gegenüber gestehen sie selten ihre Heimvergangenheiten ein.
Ja, manchmal haben sich Schuld- und Schamgefühle sogar so tief in die Seelen der Betroffenen verankert, um ihre einstigen Lebenserfahrungen die gewöhnlich zu den unbeschwerten und schönen Jugenderfahrungen "normaler" Menschen gehören, im Leben komplett vergessen/verdrängt zu haben.

Zudem trug die meist nur rudimentär erfahrene Schulbildung dazu bei, das negative Image von Heimkindern aufrecht zu erhalten. Denn leider besteht in der mangelhaften Bildung ein Teufelskreis, der gängige Vorurteile bedient, wenn jene, denen es an Bildung mangelt, schneller dazu neigen ihre reduzierte Argumentationsfähigkeit gewaltbetont auszugleichen
Übrigens auch ein Grund, weshalb das Thema (Heim)Kinder - häusliche Gewalt - Ursachen und deren Folgen, in der Öffentlichkeit bisher kaum einen nennenswerten Niederschlag gefunden hat.

Der Segen des medialen Internetzeitalters macht es dem Personenkreis ehemaligen Heimkinder heute leichter, sich selbst in Erfahrungsberichten Anderer wiederzuerkennen und senkt damit die Hemmschwelle, die eigene Heimbiografie kritisch zu hinterfragen. Es werden in diesem stillen Erfahrungsaustausch hoffentlich noch viele Betroffene feststellen, dass sie kaum selber die Ursachen für ihre Heimerfahrungen geliefert haben, sondern mit Ausnahme von Waisen meistens ihr familiäres Umfeld für so manch verunglückte Kindheit verantwortlich waren

2. Teil
Warum Kinder in Heimen leben

Eine sozialkritisch Betrachtung von Ursachen und Folgen der Armut

Im Jahre 2006 bezogen die deutschen Topmanager der 30 DAX notierten Aktien-Unternehmen ein durchschnittliches Jahreseinkommen von 3,417 Millioen Euro.
Dies entspricht, bei einer konsequent doppelt hohen Arbeitsleistung (16 Std. pro Tag), gegenüber normalen Arbeitnehmern einem durchschnittlichen Stundenlohn von umgerechnet etwa 900 Euro!
Peanuts, würde da der führende TOP-Verdiener Herr Wiedeking von Porsche sagen, der sich 2008 über ein astronomisches Einkommen von über 20800 Euro pro Stunde freuen durfte. (2006 nur 15000 € pro Std.)
Dieses Jahresgehalt = 80 Mill. bei 5% Zinsen auf die Bank gelegt, spült dem Mann jeden Monat durch den leistungsfreien Zinsgewinn Monat für Monat weitere 333000 Euro in seine Privatschatullen.
Geld, dass ein normaler Mensch zeitlebens nicht mehr ausgeben könnte, während ein Hartz-IV-Empfänger der von Großkonzernmanagern zuvor als entbehrliches Humankapital entlassen wurde, um noch größere Aktiengewinne einzustreichen von so einem Stundenlohn mehr als 5,3 Jahre auskommen müßte.
Dazu könnte er/sie sich an einer der bundesweit auf 877 (Stand 2010) angewachsenen Tafeln anstellen, um sich eines der Überlebensrationen einpacken zu lassen, die als Reste der reichen Überflussgesellschaft gönnerhaft an mittllose Arbeitslose, Kinder und Rentner verteilt werden.

Zu dieser Thematik habe ich bereits in meinem Forum einige weitere Fakten veröffentlicht.
Denn hier geht es bei weitem nicht um eine abwehrende Neiddebatten, sondern darum, dass ich derart exorbitante Einkommen angesichts eilends um sich greifender Not in unserem Land für völlig unmoralisch und überzogen halte.
Dieser Verwerflichkeit wird die Krone aufgesetzt, wenn man weiß, dass ausgerechnet diese millionenschweren Wirtschaftsvertreter nicht müde werde, an die Vernunft appellierend von ihren Arbeitern Lohnzurückhaltungen zu fordern, hingegen sie sich in den letzten 4 Jahren im Durchschnitt zu ihren ohnehin schon üppigen Einkommen, satte 62%ige Steigerungen in die Taschen stopften. (Stand 2006)
Ihre Arbeiter begnügten sich im selben Zeiraum mit nicht mal 3%igen Einkommenserhöhungen.
Im Jahr 2006 setzte sich die Abgreifmentalität in den Vorstandsetagen mit Steigerungen bis zu + 114% noch unverholener fort und glauben sich angesichts amerikanischer Vorbilder noch immer unterbezahlt.

Stimmt, aber es dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein,
bis das amerikanische Finanzsystem aufgrund der immer
rasanter ansteigenden Konzentration unvorstellbarer
Privatvermögen in einer Art Supernova kollabiert und
mit ihr die gesamte Weltwirtschaft ruinieren dürften.
(geschrieben Mitte 2007, man muß kein Finanzexperte sein, um dies zu erkennen)
So lange diesem Irrsinn nicht staatlicherseits Einhalt
geboten wird, werden wir uns nicht über amerikanische
Managereinkommen von bis zu 2 Milliarden Dollar pro
Jahr wundern müssen. Deren "Verdienste" darin bestehen,
ihre verwalteten Billionen immer schneller zu
vermehren, indem sie mit ihrer finanziellen Übermacht,
über gesunde Unternehmen herfallen, sie finanziell aus-
schlachten und die Versorgung der Beschäftigungslosen
der staatlichen Solidargemeinschaft überlassen.

Dieser Irrsinn ist längst bekannt. Aber wundern wir uns wirklich noch, warum so exzellente Stimmen, wie die eines Prof. Günther Moewes in sozialpolitischen verantwortlichen Kreisen nahezu ungehört verhallen?
Ähnlich, wie diese lesenwerten Beiträge einer neueren Inititive, die alternative Auswege aus der finanziellen und sozialpolitischen Erstarrung anbietet. Siehe: www.inwo.de

Damit erweist sich eindeutig: SIE sind in Wahrheit die Asozialen - Volksblutsauger,
die auf Kosten der normalen Bürger- und Arbeiterschaft leben, indem sie nicht bereit sind, ihre
oftmals unermesslichen Vermögen angemessen mit jenen zu Teilen, auf deren Knochen,
Schweiß
und Blut sie ihren Reichtum angehäuft haben, weil sie ihre Arbeitnehmer einst wie
heute so geringfügig bezahlen, um sie in bequemer Abhängigkeit zu halten.
Eine Tendenz übrigens, die gegenwärtig wieder fröhliche Urstände feiert. Denn wer will
ernsthaft glauben, dass ein Leben auf Sozialhilfeniveau oder geringfügiger Beschäftigungs-
verhältnisse auf Dauer mit unserem Grundgesetzes vereinbar sei, in dem jedem Bürger unseres
Landes die Unverletzlichkeit seiner Würde zugesichert wird?

Es ist entwürdigend!
Weil Armut die Menschen zu entwürdigenden Bittstellern degradiert und sie daran gehindert werden in einem angemessenen Umfang am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.
Die betroffenen Menschen werden dauerhaft an den Rand der Gesellschaft gedrängt und spätestens an ihrem Lebensabend auf Almosen angewiesen sein. Finanziell geknebelt und ohne Aussicht, sich jemals etwas Gutes für ihre einstige Arbeit leisten zu können, während jene winzige Minderheiten, denen sie zuvor zu Diensten standen und deren Lobbyisten die Rahmenbedingungen der Politik diktieren, ihrem Vermögen, dass sie eh niemals mehr persönlich ausgeben könnten, Millionen und Milliarden hinzufügen.

Siehe das exemplarische Beispiel asozialer Gier des kriminellen ex-Postvorstandchefs Klaus Zumwinkel, dessen millionenschwerer Steuerhinterziehung mit einem lachhaft milden Urteil von zwei Jahren Haft auf Bewährung geahndet wurde. Anschließend ließ er sich "seine Pensionsansprüche" in Höhe von mehr als
20 Millionen Euro auszahlen, um fortan von seinem italienischen Burgbesitz aus, auf die üppigen Zinszahlungen (bei 5% = rund 83000 € monatlich) seiner zusammengerafften Pfründe anzustoßen.

Dem stehen kirchliche Institutionen in nichts nach. Besonders sie erweisen sich noch heute gegenüber ihren demütigen Mitarbeitern/Innen als knallharte Verfechter niedriger Dumpinglöhne, während ihr Geschäftsinn von politischen Gremien regelmäßige das ehrende Prädikat "gemeinnützig" verliehen wird.

Höchst zweifelhafte Ehren, da kaum noch jemand Ursache und Wirkung im Blickfeld hat, mit der die einst allumfassende Staatsmacht Kirche in ihrer grenzenlosen Gier nach Macht, Geld und Ansehen in vergangenen Jahrhunderten selbst für millionenfaches Elend und Leid unter der eigenen Bevölkerung, wie auch in fremden Ländern verantwortlich war.
Durch hohe Abgabenlasten, mangelnder Bildung und ihren verquerten Heilslehren trugen sie maßgeblich zur anhalten Abhängigkeit und Armut millionenfacher Bürger bei.

Dieser Zusammenhang sollte in studierten Kirchenkreisen und pädagogischen Fachgremien hinreichend bekannt sein, um zu erkennen, wie unheilvoll sich Armut und Unwissenheit auf derart betroffene Familien und besonders deren Kindern niederschlagen. Siehe diese exemplarische Meldung und Statistik. (2008)

Welche zahlreichen Facetten häusliche Gewalt umfasst, habe ich der besonderen Bedeutung wegen, ausführlicher hier auf dieser gesonderten Seite dargestellt.

> > >
< < <


Ich denke, hier werden sich einige Betrachter und Leserinnen wiedererkennen und wünschenswert zu Überlegungen eines sensibleren Umgangs miteinander beitragen.

Hier einige hoch empfehlenswerte Webseiten, zum Thema "Kirche":
So dürfte als anerkannt gelten:

Ursache:
Zu geringer Lohn, um damit die laufenden Unterhaltskosten für die eigene Familie abdecken zu können.

  • Folge 1 - Die Beschäftigten müssen mehr Überstunden leisten um über die Runden zu kommen.

  • Folge 2 - Durch Überstunden bedingt reduzierte Freizeit und schlechtere Chancen um sich nach einer besser bezahlten Arbeit umsehen zu können.

  • Folge 3 - Durch die dauerhaft zusätzliche Arbeitsbelastung sind Arbeitnehmer physisch und psychisch unausgeglichen und entsprechend reizbarer.

  • Folge 4 - Durch den geringen Verdienst können sich Arbeitnehmer gewöhnlich nur noch beengte Wohnungen und minderwertige Nahrung leisten.
  • Folge 5 - Folgen 3 + 4 tragen zu einer gespannten familiären Atmosphäre bei, wenn der angstaute Druck verbunden mit existenziellen Ängsten ein Ventil nach außen sucht.

  • Folge 6 - Kinder versuchen, da sie die Befindlichkeiten der Eltern nicht einzuordnen wissen, trotz der Gereiztheit der Eltern, ihren Anspruch auf persönliche Zuwendung zu erhalten und reagieren auf die erfolgenden Zurückweisungen ebenfalls mit Gereiztheit.

  • Folge 7 - Es entwickelt sich eine Spirale von Reaktion und Gegenreaktion, in dessen Verlauf sich innerhalb der Familien Parteien bilden.

  • Folge 8 - Eine anhaltend vergiftete häusliche Atmosphäre, in der Aggressivität und Gewalt den Tagesablauf bestimmen.

  • Folge 9 - Das aggressiv, physisch und/oder psychisch auffällige Kind benötigt Heilerziehungspflege HEIMEINWEISUNG ! ! !

  • Folge 10 - Mannigfaltige Folgeschäden, die sich weiter auf die künftige Familie und Kindergenerationen niederschlagen können.

    Die Wiederholungsgefahr derartiger Szenarien wird um ein Vielfaches gesteigert, wenn besonders einkommensschwache Familien den Verlockungen der Werbewirtschaft folgend, durch Konsumkredite in finanzielle Abhängigkeiten geraten, aus denen sie häufig nicht mehr aus eigener Kraft herausfinden.

Kein Interesse, weil wir im Sinne ausgeprägter Verdrängungsmentalität und bequemer Trägheit
lieber den eigenen Überlebensinstinkten des Stärkeren vertrauen?

Ich denke, hier ist unsere Gesellschaft als Ganzes gefordert, Mut zu neuen Wegen zu finden, um eine weitere Stufe menschlicher Sozialisierung zu besteigen.

Hier ist jeder gefordert, seinen Möglichkeiten entsprechend einen Beitrag zu einem gesellschaftsfördernden Umgang zu leisten, sofern er/sie sich zu den festgeschriebenen Grundwerten unseres gemeinsamen Staates bekennt.

NIEMAND, darf von derartigen Anstrengungen ausgeschlossen werden, denn positive Änderungen können wir nur erzielen, wenn offene Missstände gemeinsam verändert werden, ohne erneut einzelne Menschen, Gesellschaftsgruppierungen oder Institutionen auszugrenzen, auf deren Initiativen oder Versäumnisse hin bestehende Missstände erst möglich wurden.

Doch solange diese wirtschaftlichen- politischen- und kirchlichen Seilschaften weiterhin unser Grundgesetz und festgeschriebene Menschenrechte mit ihrer bürgerfeindlichen Profitgier unterwandern, erkenne ich im Sinne von NOTWEHR für unsere Mitmenschen zunehmend das Recht an, sich wie zu Zeiten der französischen Revolution, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln vom entwürdigenden Joch wirtschaftlicher Ausbeutung und Unterdrückung zu befreien.

Ich hoffe indes inständig, dass es noch nicht zu spät ist, um derart gewaltsame Eskalationen zu vermeiden.
Daher unterbreite ich interessierten Gästen unter der Rubrik Ziele einige Ansätze zu einer positiven Umkehr unserer gesellschaftlichen Entwicklung für die ich werben und um Unterstützung bitten möchte.

Klaus Klüber 2007


Bildequellen, siehe unten

Eine gerechte Welt fängt damit an, unsere Mitmenschen an unserer eigenen Lebensfreude teilhaben zu lassen.

Sieht so eine erstrebenswert Welt aus, für die es sich anzustrengen lohnt?

Bildequellen, siehe unten

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Kein freiheitlich aufgewachsener Mensch würde jemals für sich selbst oder den eigenen Kindern gegenüber den Verzicht liebevoll geprägter Zuwendung, oder eine bedrückende Kindheit akzeptieren wollen.

Warum also nehmen wir uns nicht dem gemeinsamen Bemühen an, um allen künftigen Kindern diese Liebe zuteil werden zu lassen, in deren behüteten Schoß sie zu glücklichen und zufriedenen Menschen heranwachsen dürfen?

Die es folglich nicht mehr nötig haben, auf Kosten ihrer Umwelt und Mitmenschen, eigene Anerkennungsdefizite mit der Ansammlung materieller Statussymbole, oder schnell vergänglicher Macht kompensieren zu müssen.
Verhungerndes Kind in Betrachtung
eines Geldscheins
Bildequellen, siehe unten